Die Nacht war kalt und ich war öfter wach. Aber am Oberkörper war es mir nicht kalt, sondern an den Beinen. Ich hatte schon eine lange enge Sporthose und noch eine normale Hose darüber an. Da das letzte Nacht mit der Regenjacke gut funktioniert hat, teste ich das heute Nacht mal mit der Regenhose. Ich habe zwar einen Daunenschlafsack dabei, aber aus Gewichtsgründen nicht die dicke Variante. Auf ein separates Seiden-Inlay hatte ich auch verzichtet – wieder 100 Gramm gespart 😉. Ich lag ohnehin eh schon über dem Limit.
Die Nacht hatte ich also überstanden und die Sonne lachte am strahlend blauen Himmel. Irgendwas musste ich heute wandermäßig machen. Ich war schon unruhig. Ja, die Zeit geht auch so schnell rum und es ist auch Mal schön einfach die Zeit verstreichen zu lassen, ohne Pläne. Und auch wichtig. Aber ich bin ja auch hier, um mich etwas zu betätigen. Ich hatte mal so eine grobe Runde in der Navi-App anvisiert aber noch nicht geplant. Wichtig war mir, gegen 14-15h Uhr wieder auf dem Campingplatz zu sein, wegen dem voraussichtlichen Gewitter. Fest stand aber am Morgen schon, dass ich erst einmal mit Rucksack und allem Nötigen runter nach Molines zum Frühstücken laufe. Die Bäckerei öffnete gegen 08.30h. Eigentlich wollte ich ein Frühstück mit Baguette, aber das gab es heute nicht. Ich habe verstanden, es gäbe keine Marmelade? Keine Ahnung, die Bedienung sprach schneller (französisch) als ich überlegen konnte und bot mir gleich Alternativen an. Ok, kein Problem – Rosinen-Teilchen gab es keins, dafür habe ich ein Frühstücksangebot mit einem Mandel-Teilchen genommen. Beim Frühstück plante ich dann die anvisierte Tour am Smartphone. Knapp 12km von der Bäckerei aus über den hohen Berggipfel La Gardiole de l’Alpe (2.786 m) und zurück zum Campingplatz. Über 1000 Höhenmeter Aufstieg und nochmal knapp 1000 Höhenmeter Abstieg. Die App meinte 3h40 Gehzeit 😁. Also ich sah mich da nicht 😉. Aber selbst wenn ich nochmal 2-3 Stunden drauf rechnete, sollte es theoretisch zeitlich passen. Und falls ich frühzeitig merken sollte, dass es problematisch wird, könnte ich eine Gelegenheit nutzen zum Abkürzen. Na dann – ich kaufte mir noch ein belegtes Baguette, das schon ziemlich lang war. Aber ich dachte, ich werde es für die Tour sicher gebrauchen können. Also zog ich gegen 9h los. Zunächst raus aus dem Ort in ein Waldstück und ich fragte mich, ob ich gut gewählt hatte bei dem Wegverlauf. Aber man sieht natürlich beim Planen die Wegbeschaffenheit nicht. Kurz gesagt, der Weg fing als breit angelegter matschiger, vermutlich Forstwirtschaftsweg, an. Aber es war zumindest ein markierter „Wanderweg“ und der Weg sollte auch aus dem Wald herausführen und da ging ich dann von besseren Weg-Verhältnissen aus. Also Zähne zusammen beißen und laufen. Natürlich ging es aufwärts. Vorwegnehmend kann ich sagen, dass wohl über 90% der Route entweder ansteigend oder absteigend war. Irgendwann ging es dann aus dem Wald auf Pfaden weiter bergauf. Meine Pumpe ging ganz schön und ich machte, insbesondere bei dem sehr steilen Restanstieg des Gipfels, immer wieder Stehpausen zum Verschnaufen und wegen den Beinen. Dann sah ich direkt am Weg ein Alpen-Edelweiß 🙂. Ein Mann, der den Weg auch zum Gipfel hoch lief, machte die Tour komplett ohne Stöcke (er lief später auch den gleichen Weg wie ich abwärts, bis ich ihn vor einem Ort in der Nähe des Campingplatzes nicht mehr sah). Für mich unvorstellbar, diese Tour ohne Stöcke. Er war trotzdem vor mir auf dem Gipfel. Ebenso waren da noch ein paar ältere Wanderer, die den Gipfel von der anderen Seite bestiegen hatten und dort dann abstiegen, wo ich raufgekommen bin. Wow, endlich oben angekommen – das hatte sich wirklich gut angefühlt und es war ein grandioser Ausblick – das Baguette hatte ich mir dann verdient und ich habe es dann auch gleich komplett weggefuttert 🙂. Es war nach 12h, als ich oben ankam und gegen 13h (wissend, dass ich gerne innerhalb Stunden wieder unten sein wollte und es waren glaube ich noch so 6-7 km), als ich den Abstieg begann und ersteinmal überrascht staunte, dass nun auch direkt Kraxel-Passagen folgten. Auf Fotos hatte ich in diesem Moment weitgehend verzichtet. Die älteren Wanderer sind dort heraufgekommen und der Aufstieg von der Seite wirkte auf mich noch schwieriger als der Abstieg – da mußte ich mich schon konzentrieren. Sind die so fit oder ich so unfit? 🙂 Zumindest bin ich ungeübt. Es ging weiter am Grat entlang und zu meinem Erstaunen nochmal hoch – achja, auf den Tête de Molines (2805m) – war dann auch kein Wunder mehr, dass ich an kleinen Schneefeldern vorbeikam. Als dann irgendwann noch ein junges Pärchen entgegenkam und der Mann ein Baby auf seinem Rücken in einem Gestell trug, wurde mir ganz anders. Da hoch? Der Mann liegt sicher jenseits von meinem Fitness- und Resilienzniveau 😁. Für mich ging es weiter runter und runter und runter über schöne Pfade, aber auch anstrengend. Bei Abstiegen passe ich auf, die können ganz schön auf die Knie gehen, vor allem wenn man Extragewicht trägt. Deswegen bin ich ziemlich langsam und mit Hilfe der Stöcke gegangen. Bei einer Picknick-Gelegenheit mit Tisch und Bänken, musste ich mir dann erstmal flachliegend die Wirbelsäule einrenken…knack…knack…knack. Dann ging es schon weiter durch ein Dorf und bald darauf, etwas nach 15h, auf den Campingplatz – ziemlich fertig, aber auch froh. Von Gewitter nichts zu sehen. Erstmal ins Zelt legen und sacken lassen, dann noch duschen und relaxen. Das Gewitter kam dann so gegen 18/19h. Diese Nacht packe ich mich ordentlich ein.


























Seit wann hast du grüne Schuhe?
Wow…und sogar ein Tierchen im Bild (der Käfer auf dem Edelweiss) 😀
Diese grün-blauen Schuhe vielleicht so 2-3 Jahre. Ja, das Tierchen hatte ich extra wegen dir mit fotografiert 😉😁.
Oo… Dankeschön! 🙂
Das Blümchen sieht teilweise auch selbst wie ein Tierchen aus.
Gerne, du wolltest ja mehr Tiere 😉.