08.07. Auf nach Italia

Der Wecker war für 05.30h gestellt, ich war schon kurz davor wach. Heute stand eine längere Tour an, die über die Grenze nach Italien führte. An reinem Fußweg insgesamt so 23-24 Km. Zum Glück hatte ich das erst im Nachhinein zusammengezählt 🙂. Ich nutzte eine fertige Route (Tour Tête des Toilies) aus dem Internet, die knapp 15 Km lang ist. Aber ich muss ja noch noch die Strecke zwischen Campingplatz und Saint Véran sowie die Strecke von der Endbushaltestelle bis zum Startpunkt der Route mit dazurechnen. Ich habe die Navette für die Auf- und Abfahrt genutzt, sonst wäre mir die Laufstrecke zu lang geworden. Den Rucksack hatte ich am Vorabend schon vorgepackt. Nach dem Wachwerden habe ich mir ein  Pausen-Baguette gerichtet und noch  etwas Marmelade für das Frühstück abgefüllt, das ich erst vor Saint Véran einnehmen wollte. Dann kam die gute Hirschtalgcreme zum Einsatz, um einer Blasenbildung entgegenzuwirken. Bei längeren Touren sind auch ein paar Wechselsocken sinnvoll. Ebenfalls wichtig – Sonnencreme nicht vergessen. Durch einen kühlen Wind in hoher Region, kann man schon mal die Sonnenstrahlen und die UV- Strahlung ausblenden. Aber ohne Sonnencreme merke ich es schon deutlich an der Haut. Eigentlich trage ich auf längeren Touren, vor allem bei praller Sonnenstrahlung ohne Schatten, zwei Merinoshirts – ein T-Shirt und ein Langarmshirt darüber. Das hat sich als Sonnenschutz und Schweißregulator bewährt. Und natürlich einen Sonnenhut. Als Hosen dünne, schnelltrocknende (Zip-Off) – wobei ich die Hosenbeine bei Bedarf einfach hoch krempele. Nachdem ich mich dann noch frisch gemacht und den Rucksack fertig gepackt hatte, bin ich gegen kurz nach 06h losgelaufen. Wie geplant, folgte kurz vor der Navette Haltestelle das Frühstück. Heute hatte das auch mit dem Shuttle-Bus funktioniert. Bei den anderen Busfahrplänen blicke ich jetzt auch besser durch. Mir ist aufgefallen, dass
la carotte die Öffnungszeiten angepasst hat (Hauptzeit), die hatten heute schon um 07.30h geöffnet. Einige andere Läden machen jetzt auch früher auf bzw. sehe ich überhaupt mal geöffnet.
Die Passagieranzahl war heute Morgen überschaubar und die Fahrt startete ca. 7.45h erst zur zweiten Haltestelle und dann ging es weiter bergauf zur Endhaltestelle.
Es folgte ein langwieriger Marsch auf der bekannten breiten Piste hoch auf Höhe des Refuge Blanche. Dann wurde es steiler. Die Route führte über mehrere Bergpässe auf- und abwärts und an mehreren Seen vorbei bis zu  einer Höhe von 2955m. Die naheliegenden Berggipfel hatte ich ausgelassen, da die Tour auch so schon lang genug war. Es ging zuerst zum Col de la Noire hoch. Mir fielen die vielen grünen Gesteine auf. Google sagte, ich bin auf einen ehemaligen Meeresboden des Piemont-Liguro-Ozeans gestoßen, der vor über 150 Millionen Jahre existierte, und darüber gelaufen. Anschließend ging es runter zum Bergsee (Lac) Noire, weiter über die Grenze nach Italien (tatsächlich fuhren da oben Leute mit Mountainbikes rum) und nach einer Pause an einem See, in dem man kleine Fischchen schwimmen sehen konnte (siehe Video), führte die Route zum Colle del Longet. Völlig im Flow beim Abstieg vom Bergpass und gefesselt von dem sich immer wieder ändernden Panorama, sah ich noch ein Hinweisschild zum Refuge Blanche, das auf dem Boden lag und nach links zeigte, lief aber weiter bergab und nach rechts, bis ich nach ca. 50 Meter stoppte und was in mir sagte – checke die Route. Gesagt-  getan, die 50 Meter mussten wieder zurück hochgelaufen werden und es ging nicht abwärts, sondern erstmal wieder aufwärts zum letzten Bergpass, dem Col Blanchet. Von da aus ging es wieder runter und nach einiger Zeit konnte man das Refuge Blanche sehen, auf dessen Höhe ich morgens an anderer Stelle aufgestiegen bin. Und beim Abstieg kam mir tatsächlich ein Wanderesel entgegen – wow. Diese lange, steile und steinige Strecke da komplett hoch, und wohin dann? Die Esel von Quey’âne sind das anscheinend wohl gewohnt.
Aber als ich das sah, hatte ich Zweifel diese Tour mit einem bepackten Esel machen zu wollen. Ich war ja schon einmal nah dran. Jetzt müsste ich wirklich nochmal in mich gehen, ob es so eine oder doch eine etwas entschärfte Variante sein sollte. Es begegneten mir noch drei weitere Wanderesel – auf nicht so steilem Terrain. Ob die den gleichen Weg genommen haben?
Ich war noch ein gutes Stück von der Bushaltestelle entfernt, sah aber schon den ersten Nachmittags-Bus, der um 16h abfahren sollte. Da ich nicht damit gerechnet hatte, es bis zur Abfahrt zum Bus zu schaffen, bin ich normal weitergelaufen. Aber der Bus fuhr zur Abfahrtszeit nicht weg. Vor mir liefen noch andere Wanderer, die wohl ebenfalls zum Bus wollten. Sie liefen schnell und irgendwann rannten sie. Ok, ich überlegte – auch rennen? Vielleicht wartete der Fahrer absichtlich, bis der Bus voll ist. Also nahm ich die Beine in die Hand und rannte ebenfalls dem Bus entgegen. Der stand bei meiner Ankunft immer noch da und war schon ziemlich gefüllt, so dass ich im Gang stand. Der Busfahrer wartete dann noch auf weitere Wanderer, die noch Richtung Bus liefen, ohne zu rennen. Ok, vielleicht hatte der Busfahrer das heute Morgen zu einigen Fahrgästen beim Ausstieg gesagt: Der Bus fährt erst los, wenn er voll ist, oder der Fahrer keine Leute mehr entgegenlaufen sieht, oder bitte winken, wenn Sie mitfahren möchten. Keine Ahnung – aber ich habe es ja geschafft. Und der Bus war jetzt richtig voll und fuhr los. Es wurde immer wärmer und ich schwitzte immer mehr und irgendwie kam auch Staub in den Bus. Die Luft war dick. Und als wir endlich in Saint Véran ankamen, musste ich erst den nahen Brunnen ansteuern und mich erfrischen. Wenn „EAU POTABLE“ dran steht ist es Trinkwasser, „EAU NON POTABLE“ entsprechend kein Trinkwasser. Was für ein Tag – was für ein anstrengender Tag – was für ein großartiger Tag! Das war eine richtig gute Abschluss-Tour und ich war sehr bzw. bin sehr glücklich über diesen Tag. Jetzt mache ich nur noch kleinere Touren in diesem Urlaub, denke ich 😉.
Und um den Tag perfekt ausklingen zu lassen, musste es noch einen kulinarischen Abschluss geben. Zunächst hatte ich richtige Lust auf eine Blaubeer-Tarte (Kuchen) – aber wo? Ich sah dann ein Schild mit genau diesem Kuchen drauf. Also hin. Die Ernüchterung kam bald – es gab nur noch ein Stück, aber es war nicht die typische Blaubeer-Tarte. Diese hier war mit Blaubeeren belegt (was ja nicht unbedingt schlecht sein muss) und hat mich aber auch irgendwie äußerlich nicht so angesprochen. Die Variante, die ich kenne, hat eine Schicht Blaubeermasse drauf. Es gab noch Schokokuchen, Tiramisu und Panna Cotta. Hmm, dann eher Panna Cotta. Die kam dann, nach meinem Eindruck nach, mit Blaubeer-Marmelade. Dazu gab es einen kurzen Café. Der Café war gut.
Die Panna Cotta war ok, es hätte ein frischeres Topping sein können, als einfach nur Marmelade. 9,-€ für diese Kombi war als Abschluss für diesen schönen Tag akzeptabel. Aber es bestand auch kein Wiederholungsgrund. Wenn ich das mit dem tollen Frühstück vergleiche, das ich hier in Saint Véran hatte und das 10,-€ kostete, kam Tarte und Café definitiv nicht an das  Preis-Leistungsverhältnis dort heran.
Der erste Lust war befriedigt, danach musste noch der Hunger gestillt werden. Es war schon 17.30h – eine gute Zeit für eine schnelle Pizza 🙂.
Mit schnell war dann nichts, der Pizzamann gab mir 1 Stunde Wartezeit vor. Kein Problem, die Stunde ging schnell rum und ich genoß meine 4-Käse Pizza im Schatten auf einer Mauer.
Es war schön, einfach nur in Saint Véran zu sein. Der Ort war schon relativ leer, das Wetter war angenehm und die Atmosphäre war einfach schön. Ich wollte gar nicht auf den Campingplatz zurück und hätte mich auch gut auf die Mauer schlafen legen können.
Gegen 19h bin ich dann aber doch satt, sehr zufrieden und glücklich aus Saint Véran raus und zum Campingplatz gelaufen.
Ein Tag voller schöner Eindrücke ging zu Ende. Videos zur Tour habe ich auf die Videoseite Queyras hochgeladen.
Die Fotos von heute kann ich nicht alle auf einmal hochladen, der Rest kommt am nächsten Tag mit dazu.
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